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Oversharing im Job: Warum wir zu viel erzählen – und wie du es stoppst

  • Autorenbild: Verena Stahl
    Verena Stahl
  • vor 6 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 7 Stunden

Zwei Frauen stehen zusammen und unterhalten sich

Oversharing – also das unbewusste, impulsive „Zu viel erzählen“ – ist ein Phänomen, das viele Menschen im beruflichen Kontext erleben. Oft merkt man erst im Nachhinein, dass man mehr preisgegeben hat, als man wollte. Der Moment ist vorbei, man ärgert sich, und es bleibt ein diffuses Gefühl von „Das hätte ich lieber nicht gesagt“.


Doch Oversharing hat nichts mit mangelnder Professionalität zu tun. Es hat klare psychologische Ursachen – und es ist veränderbar.


In diesem Blogbeitrag erfährst du:

  • warum Menschen im Job zu viel erzählen

  • weshalb besonders People Pleaser dafür anfällig sind

  • welche inneren Muster Oversharing auslösen

  • was diese Überkommunikation im Außen bewirkt

  • und wie du selbst oder als Führungskraft professionell damit umgehen kannst


Warum wir im Job zu viel erzählen – ein psychologischer Blick

Oversharing entsteht selten zufällig. Es ist keine schlechte Angewohnheit, sondern ein inneres Bewältigungsmuster – eine Coping-Strategie, die sich einschaltet, wenn wir uns unsicher fühlen, Anerkennung suchen oder innere Spannung abbauen wollen.


Coping-Strategien als Auslöser für Oversharing im Job

Eine Coping-Strategie ist ein psychologisches Bewältigungsmuster, das wir entwickeln, um mit Stress, Unsicherheit oder innerer Anspannung umzugehen. Manche Menschen greifen in solchen Momenten zu der Strategie, übermäßig viele Worte zu verwenden:


  • sie erklären mehr als nötig

  • sie teilen Emotionen, die im beruflichen Kontext deplatziert wirken

  • sie verlieren den Fokus

  • sie überschreiten unbewusst Grenzen


Kurzfristig verschafft das Reden Erleichterung. Langfristig kann es Professionalität, Klarheit und Wirkung untergraben.


Warum People Pleaser besonders von Oversharing im Job betroffen sind

People Pleaser sind Menschen mit einem hohen Bedürfnis nach Harmonie, Verständnis und Akzeptanz. Für sie ist Sprache nicht nur Information – sie ist ein Mittel, um:


  • gemocht zu werden

  • Missverständnisse zu vermeiden

  • Nähe herzustellen

  • Sympathie zu sichern

  • Bindung zu erzeugen


Viele haben früh gelernt: „Wenn ich mich öffne, werde ich gemocht.“


Doch im Job funktioniert diese Gleichung nicht. Offenheit wirkt hier anders – stärker, schwerer, unpassender. Schnell entsteht Verwirrung oder sogar Distanz, obwohl eigentlich Nähe gewünscht war.


Die sechs häufigsten psychologischen Ursachen von Oversharing

Oversharing hat mehrere klare innere Mechanismen. Die wichtigsten sechs sind die folgenden:

Oversharing als Bindungsversuch

Offenheit wird genutzt, um Beziehungen zu stabilisieren. Doch berufliche Beziehungen folgen anderen Regeln als private. Das Gegenüber weiß oft nicht, ob es fachlich, kollegial oder persönlich reagieren soll.


Oversharing als Selbstregulation

Vor allem extravertierte Menschen haben die Angewohnheit, beim Sprechen zu denken. Lautes Reden beruhigt sie, und es reduziert ihren Stress. Das ist ein wissenschaftlich erwiesener neuropsychologischer Effekt. Was sich jedoch innen für einen selbst als ordnend anfühlt, kann im außen bei anderen Menschen durchaus chaotisch wirken.


Oversharing als People-Pleasing-Ausdruck

Viele glauben: „Wenn ich alles erkläre, bin ich fair und vermeide Kritik.“

Doch Transparenz bedeutet im Job nicht Offenlegung aller Gedanken, sondern Relevanzfilterung. Wer zu viel erklärt, verliert Wirkung, Fokus und Autorität.

Oversharing als Schutz vor Stille

Stille erzeugt Interpretationsräume, die manche als bedrohlich erleben. Menschen mit hohem Harmoniebedürfnis füllen diese Leere reflexhaft – impulsiv, ausführlich, unkontrolliert.


Oversharing infolge von Rollenkonfusion bei flachen Hierarchien

Flache Hierarchien fördern Nähe. Aber Führung braucht immer auch Klarheit und Orientierung. Wer Grenzen zwischen persönlicher und beruflicher Ebene verwischt, verliert an Führungskraft. Oversharing macht Rollen somit unklar. Und das ist durchaus ein Problem für Orientierung, Teamdynamik und Entscheidungsprozesse.


Oversharing als Wunsch nach Zugehörigkeit

Oversharing ist oft die sprachliche Form eines unbewussten „Bitte sieh mich“. Es dient der Selbstvergewisserung: „Bin ich okay? Magst du mich? Habe ich alles richtig gemacht?“ Hier gilt: Je stabiler die erlebte innere Sicherheit, desto geringer ist das Oversharing-Risiko - und umgekehrt.

Was Oversharing im Job bewirkt

Auch wenn Oversharing gut gemeint ist, erzeugt es doch vor allem im beruflichen Umfeld eine Reihe unerwünschter Effekte:


  • Unsicherheit: Das Gegenüber fragt sich, wie es reagieren soll.

  • Überforderung: Zu viele Informationen erschweren Entscheidungen.

  • Rollenverwirrung: Führung wirkt unklar, Kollegialität verschwimmt mit Privatheit.

  • Antwortdruck: Mitarbeitende fühlen sich emotional in die Pflicht genommen.

  • Verlust von Professionalität: Die fachliche Botschaft geht in persönlichen Details unter.


Ein entscheidender Punkt: Oversharing schwächt die eigene Wirkung. Denn Worte verlieren an Gewicht, wenn sie im Überfluss kommen.


5 Schritte, um dein Oversharing zu stoppen

Oversharing verschwindet nicht durch Willenskraft, sondern durch Bewusstheit und Selbstführung. Hier sind die aus meiner Sicht wirkungsvollsten Schritte:

Schritt 1: Den inneren Auslöser erkennen

Bevor Worte fließen, passiert etwas im Körper – zum Beispiel:


  • flacher Atem

  • innerer Druck

  • Anspannung in Brust oder Hals

  • schneller werdende Gedanken


Diesen Mikromoment abzupassen, ist der Schlüssel für eine Veränderung.


Schritt 2: Zwei Sekunden Pause

Eine kleine Intervention mit großer Wirkung:


  1. Ein Atemzug

  2. Zwei Sekunden innehalten

  3. Kurze Selbstfrage: „Muss mein Gegenüber das jetzt wirklich alles wissen?“


Diese Mini-Pause unterbricht den Redeimpuls und bringt dich sofort zurück in deine professionelle Rolle.


Schritt 3: Fokusformulierung nutzen

Sehr hilfreich ist eine bewusste Selbstbegrenzung, z. B.:


  • „Ich gebe dir die Kurzversion.“

  • „Die Kernaussage ist…“

  • „In zwei Sätzen zusammengefasst…“


Das strukturiert deine Antwort – und verpflichtet dich sozusagen selbst zu einer pointierten Klarheit.


Schritt 4: Rolle und Person trennen

Frage dich bewusst:


  • Welche Informationen gehören zu meiner Rolle?

  • Welche sind privat und bleiben privat?

  • Welche dienen der Sache, und welche dienen meiner Selbstberuhigung?


Diese Unterscheidung stärkt deine klare Führung.


Schritt 5: Neue Kommunikationsmuster üben

Das Ziel ist nicht „weniger reden“, sondern "bewusster reden". Nutze dafür:


  • kurze Sätze

  • klare Botschaften

  • weniger Rechtfertigungen

  • mehr Präsenz

  • Aushalten von Stille und Pausen


Was tun, wenn andere im Team oversharen?

Oversharing ist nicht nur ein Selbstthema, es kann auch im Team auftreten und sich dort im schlimmsten Fall als „schlechte Team-Kultur“ etablieren. Als Führungskraft ist es deine Aufgabe, euren gemeinsamen professionellen Team-Rahmen zu schützen.


Aus meiner Erfahrung hat sich dabei in der Kommunikation folgender Dreischritt bewährt:


1) Würdigen:

„Ich merke, dass dir das gerade wichtig ist,…“


2) Begrenzen:

„…gleichzeitig möchten wir hier fokussiert starten.“


3) Alternativen anbieten:

„Wenn es später auch noch wichtig ist, sprich mich später kurz an.“

Diese Vorgehensweise:


  • wahrt die Beziehung

  • schützt die Teamdynamik

  • erhält den Arbeitsfokus

  • setzt klare Grenzen ohne Härte


Fünf Takeaways für deinen Alltag

  1. Oversharing ist selten eine schlechte Angewohnheit. Es ist ein Versuch, Sicherheit oder Nähe herzustellen. Dieser Blick macht Veränderung möglich.


  2. Die entscheidenden Hinweise entstehen im Körper. Wer diesen feinen Impuls wahrnimmt, kann bewusst entscheiden, anstatt impulsiv zu erzählen.


  3. Klarheit entsteht nicht durch viele Worte, sondern durch die richtigen Worte. Führung braucht Fokus.


  4. Grenzen sind kein Bruch in Beziehungen. Sie machen Verbindung erst möglich und halten Rollen mit klarem Profil und Konturen.


  5. Du musst nicht alles erzählen, um authentisch zu sein. Wirkung entsteht dort, wo du bewusst wählst, was du teilst – und was du bei dir lässt.


Oversharing ist veränderbar – und ein Weg in mehr Selbstführung

Oversharing ist kein Persönlichkeitsproblem. Es ist ein inneres Muster, das sich ändern lässt. Es lässt sich ändern durch Bewusstheit, Selbstregulation und klare Kommunikation.

Wenn du lernen möchtest, souveräner aufzutreten, deine Rolle klarer auszufüllen und dich weniger in Worten zu verlieren, unterstütze ich dich gerne auf deinem Weg.


Auf meiner Website findest du mehr zu meinem Coaching-Angebot rund um selbstverbundenes Auftreten, People Pleasing adé und Führung mit Sanftmut und Stärke.


Auch in meinem Podcast „People Pleasing adé“ findest du regelmäßig Inspiration und konkrete Impulse für Selbstführung und Weiterentwicklung "inside-out".


Möchtest du tiefer einsteigen?

In meinem Newsletter teile ich regelmäßig Impulse rund um Leadership, Karriere und Selbstführung – mit Beobachtungen aus Coaching und Lehre, Reflexionsfragen und konkreten Mini-Übungen.

Dazu gibt es immer wieder kurze Audio-Impulse, die dich im Alltag begleiten – zum Nachdenken, Sortieren und Dranbleiben.


Herzlichst, Verena Stahl







 
 
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