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Overcommitment und Dauerstress im Job: Wie du Überlastung nachhaltig beendest

  • Autorenbild: Verena Stahl
    Verena Stahl
  • 25. Jan.
  • 6 Min. Lesezeit
Eine Gruppe von jungen Menschen arbeitet in einem Gemeinschaftsbüro zusammen an mehreren Konzepten

Viele leistungsbereite, empathische Menschen geraten im Job in einen Zustand chronischer Überlastung – ohne es zunächst zu merken. Sie arbeiten viel, übernehmen Verantwortung, sind zuverlässig und engagiert. Und doch fühlen sie sich innerlich zunehmend erschöpft, angespannt und fremdbestimmt.


Ein zentrales Muster dahinter ist Overcommitment – eine Form der Selbstüberforderung, die besonders häufig bei sogenannten People Pleasern auftritt.

In diesem Beitrag erfährst du,

  • was Overcommitment im Job wirklich bedeutet,

  • warum People Pleaser besonders gefährdet sind,

  • welche psychologischen und körperlichen Folgen entstehen

  • und wie du Schritt für Schritt aus der Dauerstress-Spirale aussteigen kannst.


Woher kommen Overcommitment und Dauerstress im Job?

Overcommitment beschreibt eine dauerhafte, innere Verpflichtung zur Mehrleistung, die über gesunde Einsatzbereitschaft hinausgeht. Betroffene übernehmen mehr Aufgaben, Verantwortung und emotionale Last, als ihnen langfristig guttut – oft aus einem inneren Druck heraus, nicht aus äußeren Zwängen.


Typische Gedanken sind:

  • „Wenn ich das nicht mache, macht es niemand.“

  • „Ich kann das Team jetzt nicht hängen lassen.“

  • „Ich muss funktionieren, egal wie es mir geht.“


Menschen im Overcommitment arbeiten länger als andere, sagen selten Nein und gehen häufig mit unerledigten To-dos ins Bett.

Der Kopf ist ständig „an“, echte Erholung findet kaum statt.

Warum People Pleaser besonders häufig in Overcommitment geraten

People Pleaser orientieren sich stark an den Erwartungen ihres Umfelds. Anerkennung, Harmonie und Zugehörigkeit haben für sie einen hohen Stellenwert. Das Problem: Diese Bedürfnisse werden häufig über Anpassung und Selbstverzicht erfüllt.

Im Job werden People Pleaser schnell zur:

  • zentralen Anlaufstelle,

  • informellen Koordinationsfigur,

  • emotionalen Stütze für Kolleginnen und Kollegen.


Gerade bei Menschen mit Doppel- oder Mehrfachbelastung führt das zu enormer unsichtbarer Zusatzlast.

Dauerstress, Mental Load und das schlechte Gewissen

Ein zentrales Merkmal von Overcommitment und Dauerstress im Job ist der hohe Mental Load: Das permanente Mitdenken, Organisieren, Vorwegnehmen und Absichern.

People Pleaser haben nicht nur ihre eigenen Aufgaben im Blick, sondern auch:

  • Termine anderer,

  • offene Themen im Team,

  • mögliche Konflikte,

  • unausgesprochene Erwartungen.


Gleichzeitig fällt es ihnen schwer, Aufgaben abzugeben oder um Hilfe zu bitten. Entlastung fühlt sich für sie oft wie ein persönliches Versagen an.

Paradox ist: Unter Stress werden Menschen „geizig“ mit ihren Ressourcen. Statt Bewegung, soziale Kontakte oder Erholung zu suchen, ziehen sie sich zurück. Der Körper bleibt im sympathischen Stressmodus, echte Regeneration bleibt aus.


Die Stress-Vermeidungs-Spirale

Viele People Pleaser versuchen, den Druck durch Vermeidung zu reduzieren:

  • nichts mehr müssen,

  • sich zurückziehen,

  • emotional abschalten.


Kurzfristig wirkt das entlastend. Langfristig jedoch sinkt das Energieniveau weiter. Freude, Sinn und Lebendigkeit gehen verloren. Das Nervensystem bleibt chronisch aktiviert – ein idealer Nährboden für Erschöpfung, Schlafstörungen und emotionale Dysregulation.

Hinzu kommt: Wenn People Pleaser sich doch einmal Zeit für sich nehmen, meldet sich oft ein massives schlechtes Gewissen. Abschalten gelingt nicht. Selbstfürsorge fühlt sich „egoistisch“ an.


Overcommitment und ein fragiles Selbstwertgefühl

Hinter People Pleasing liegt häufig ein bedingtes Selbstwertgefühl. Schon früh lernen Betroffene: „Ich bin wertvoll, wenn ich Erwartungen erfülle.“

Ein Beispiel aus dem Coaching: Ein Coachee berichtete, dass er als Kind vor allem dann Anerkennung erhielt, wenn er gute Leistungen brachte oder „brav“ war. Dieses Muster setzte sich im Erwachsenenalter fort. Sein Selbstwert hing stark davon ab, ob andere zufrieden mit ihm waren.


Menschen mit diesem Muster:

  • suchen ständig nach Bestätigung,

  • übersehen eigene Leistungen,

  • fokussieren sich auf kleinste Anzeichen möglicher Ablehnung.


Nach Meetings grübeln sie stundenlang, ob sie etwas Falsches gesagt haben – selbst wenn objektiv nichts darauf hindeutet.


Wenn Anpassung Respekt verhindert

Ein weiterer blinder Fleck: Wer ständig zurücksteckt, wird nicht automatisch respektiert.

Viele People Pleaser vermeiden klare Positionen, bleiben vage oder passen sich Mehrheiten an – selbst dann, wenn sie fachlich überlegen sind. Dadurch bleiben sie für andere konturlos.


Echte Wertschätzung entsteht jedoch durch:

  • Sichtbarkeit,

  • Haltung,

  • Klarheit.


Wer sich nicht zeigt, kann nicht wirklich gesehen werden. Das gilt im Beruf genauso wie im Privatleben.

Frust, Ärger und passive Aggression

Unterdrückte Bedürfnisse verschwinden nicht. Sie sammeln sich an. Irgendwann entlädt sich der Frust – oft unkontrolliert oder an der falschen Stelle.

Typisch sind:

  • plötzliche Wutausbrüche,

  • Rückzug,

  • Sarkasmus,

  • passive Aggression.


Die eigentliche Ursache – fehlende Grenzen und Selbstverleugnung – bleibt dabei häufig unerkannt.

Beziehungen leiden, obwohl das ursprüngliche Motiv Harmonie war.

An sich vorbei leben: Die langfristigen Folgen

Viele People Pleaser stellen irgendwann fest, dass sie:

  • jahrelang in einem Job geblieben sind, der sie nicht erfüllt,

  • Entscheidungen für andere getroffen haben,

  • eigene Träume aufgeschoben oder aufgegeben haben.


Nicht aus Faulheit oder fehlendem Mut, sondern aus Loyalität, Anpassung und Angst vor Enttäuschung.


Overcommitment ist deshalb nicht nur ein Stressproblem, es ist ein Lebensgestaltungsproblem.

Overcommitment vs. gesunde Kompromissbereitschaft

Natürlich erfordert das Leben Kompromisse. Nicht jeder Wunsch lässt sich sofort umsetzen. Der Unterschied liegt jedoch darin, wer dauerhaft zurücksteckt.

Gesunde Kompromisse:

  • berücksichtigen beide Seiten,

  • sind zeitlich begrenzt,

  • lassen Raum für eigene Bedürfnisse.

Overcommitment:

  • ist einseitig,

  • chronisch,

  • und geht langfristig auf Kosten der eigenen Identität.

Körper und Psyche zahlen den Preis

Chronischer Stress durch People Pleasing erhöht nachweislich das Risiko für:

  • Burnout,

  • Depressionen,

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen,

  • Schlafstörungen.


Studien zeigen, dass soziale Zurückweisung im Gehirn ähnliche Areale aktiviert wie körperlicher Schmerz. Für das Nervensystem macht es keinen Unterschied, ob die Belastung emotional oder physisch ist.


Hinzu kommt: Viele People Pleaser suchen zu spät Hilfe – aus Angst, zur Last zu fallen. Gerade bei ernsthaften körperlichen Symptomen kann das fatale Folgen haben.

Overcommitment beenden: Der Weg zurück zu dir selbst

Overcommitment entsteht aus einem verständlichen Wunsch nach Zugehörigkeit. Doch langfristig führt er in die Selbstentfremdung.


Der Ausstieg beginnt mit:

  • dem Erkennen eigener Muster,

  • dem Ernstnehmen körperlicher Signale,

  • dem Aufbau eines stabileren, inneren Selbstwerts,

  • und dem Mut, Grenzen zu setzen – auch wenn es sich ungewohnt anfühlt.


Wer lernt, sich selbst genauso wichtig zu nehmen wie andere, gewinnt nicht nur Energie zurück, sondern auch Klarheit, Respekt und innere Ruhe.

Denn ein erfülltes Berufsleben entsteht nicht durch ständiges Funktionieren – sondern durch Selbstverbindung, innere Klarheit und gesunde Verantwortung.


Overcommitment ist kein Zeichen von Stärke

Overcommitment im Job entsteht nicht aus mangelnder Belastbarkeit, sondern aus einem tief verankerten Wunsch nach Zugehörigkeit, Anerkennung und Sicherheit. Gerade engagierte, verantwortungsbewusste Menschen geraten dadurch in eine dauerhafte Überforderung, die lange unsichtbar bleibt – nach außen leistungsstark, nach innen erschöpft.


People Pleasing mag kurzfristig Beziehungen stabilisieren, untergräbt jedoch langfristig Selbstwert, Gesundheit und echte Verbundenheit. Wer ständig mehr gibt, als er oder sie tragen kann, verliert nicht nur Energie, sondern auch den Kontakt zu den eigenen Bedürfnissen und Zielen.


Der Ausstieg aus Overcommitment beginnt nicht mit mehr Selbstdisziplin, sondern mit Selbstwahrnehmung, innerer Klarheit und der Fähigkeit, Grenzen zu setzen – auch dann, wenn es sich ungewohnt anfühlt. Nachhaltige Leistungsfähigkeit entsteht dort, wo Verantwortung, Selbstachtung und innere Verbundenheit im Gleichgewicht sind.


Nächster Schritt: Muster erkennen, bevor sie krank machen

Wenn du dich in den beschriebenen Dynamiken wiedererkennst, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Overcommitment ist veränderbar – besonders dann, wenn es frühzeitig erkannt wird.

Reflektiere für dich:

  • Wo übernimmst du regelmäßig zu viel Verantwortung?

  • Wo sagst du Ja, obwohl du innerlich Nein meinst?

  • Und was würde sich verändern, wenn dein Selbstwert weniger von Leistung und Zustimmung abhinge?

Eine bewusste Auseinandersetzung mit diesen Fragen ist oft der erste Schritt zurück zu mehr Klarheit, innerer Ruhe und gesunder Selbstführung.

Wenn du magst, begleite ich diesen Prozess professionell – strukturiert, fundiert und mit Blick auf deine berufliche Realität.


Möchtest du tiefer einsteigen?

In meinem Newsletter teile ich regelmäßig Impulse rund um Leadership, Karriere und Selbstführung – mit Beobachtungen aus Coaching und Lehre, Reflexionsfragen und konkreten Mini-Übungen.

Dazu gibt es immer wieder kurze Audio-Impulse, die dich im Alltag begleiten – zum Nachdenken, Sortieren und Dranbleiben.


Herzlichst, Verena Stahl





FAQ zu Overcommitment im Job

Was ist Overcommitment im Job?

Overcommitment im Job beschreibt eine dauerhafte innere Verpflichtung zur Mehrleistung. Betroffene übernehmen kontinuierlich mehr Aufgaben und Verantwortung, als ihnen guttut, oft aus Angst vor Ablehnung oder dem Wunsch nach Anerkennung.


Was ist der Unterschied zwischen Overcommitment und Engagement?

Engagement ist freiwillig, zeitlich begrenzt und mit Erholung vereinbar. Overcommitment ist dauerhaft, innerlich getrieben und geht mit Schuldgefühlen, Erschöpfung und fehlender Abgrenzung einher.

Warum sind People Pleaser besonders anfällig für Overcommitment?

People Pleaser orientieren ihren Selbstwert stark an den Erwartungen anderer. Sie sagen selten Nein, vermeiden Konflikte und übernehmen zusätzliche Aufgaben, um Anerkennung und Harmonie zu sichern.

Welche Symptome deuten auf Overcommitment hin?

Typische Anzeichen sind chronische Erschöpfung, innere Unruhe, schlechtes Gewissen beim Ausruhen, Grübeln über Fehler, Schlafprobleme und das Gefühl, nie genug zu leisten.


Was ist Mental Load und wie hängt er mit Overcommitment zusammen?

Mental Load bezeichnet die unsichtbare Denk- und Organisationsarbeit. People Pleaser tragen häufig Verantwortung für Planung, Koordination und Absicherung – zusätzlich zu ihren eigentlichen Aufgaben, was Overcommitment verstärkt.


Kann Overcommitment krank machen?

Ja. Dauerhafter Stress durch Overcommitment erhöht das Risiko für Burnout, Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychosomatische Beschwerden.


Warum fällt es People Pleasern so schwer, Nein zu sagen?

Ein Nein wird häufig als Gefahr für Beziehungen erlebt. Viele People Pleaser haben gelernt, dass Zugehörigkeit an Anpassung geknüpft ist, und vermeiden deshalb Abgrenzung aus Angst vor Ablehnung.


Wie wirkt sich Overcommitment auf das Selbstwertgefühl aus?

Overcommitment stabilisiert kurzfristig das Selbstwertgefühl durch Anerkennung von außen, macht es langfristig jedoch fragiler, da der eigene Wert ständig von Leistung und Zustimmung abhängt.

Wie kann ich Overcommitment im Job beenden?

Der Ausstieg beginnt mit dem Erkennen eigener Muster, klaren Grenzen, realistischer Verantwortungsteilung und dem Aufbau eines stabilen, inneren Selbstwerts unabhängig von äußerer Anerkennung.

Ist Overcommitment dasselbe wie Perfektionismus?

Nein. Perfektionismus zielt auf fehlerfreie Leistung, Overcommitment auf Beziehungssicherung. Beide Muster können sich überschneiden, haben aber unterschiedliche psychologische Ursachen.

Wann sollte ich mir professionelle Hilfe holen?

Wenn Erschöpfung, Schlafprobleme, innere Leere oder körperliche Beschwerden über längere Zeit bestehen, ist professionelle Unterstützung durch Coaching oder Therapie sinnvoll.

 
 
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